Happy Birthday Facebook

Seit 9 Jahren dabei

Als Facebook am 4. Februar 2004 gestartet wurde, war es wohl weder Plan noch Traum, die heutige Verbreitung zu erreichen. Mittlerweile hat die Plattform einen nennenswerten Teil der Weltbevölkerung erreicht – und das ist schon an sich fast unglaublich. Nein, es ist die intensive tägliche Nutzung, welche mich immer wieder fasziniert. Für diese gibt es aus meiner Sicht mehrere Gründe:

Menschen sind – überwiegend – trivial

Zugegeben: Ich bin aus der Enterprise Generation. Und mit dieser Serie – sowie seinen Nachfolgern – aufzuwachsen, bedeutet auch einen starken Glauben daran, dass Menschen sich weiterentwickeln wollen; sprich das Machbare aus Ihren Anlagen herausholen wollen. Dass dieses nicht immer gelingt (ich spreche hier natürlich nur von mir!) ist nicht dem fehlenden technologischen Fortschritt geschuldet sprich: man leider seinen inneren Schweinehund immer noch nicht wegbeamen kann. Es basiert einfach darauf, dass wir tief in uns drin einfache biologische Wesen sind mit (sehr) einfachen Bedürfnissen.

Es regen sich regelmäßig Leute darüber auf, dass “Ich trinke einen Kaffee!” keine intellektuelle Höchstleistung ist und dass der Schreiber – aber am besten die ganze Plattform mit ihm – im Orkus des Trivialen verschwinden möge. Diese Kaffee Statements sind ohne Zweifel kein neues “Sein oder nicht sein”. Doch zum einen besteht der überwiegende Teil der SMS Kommunikation aus keinen tiefschürfenderen Beiträgen, was niemand verwerflich findet. Zum anderen entspricht gerade das “Hier bin ich – wo bist Du?” exakt dem Dialog den schon Konrad Lorenz bei seinen Graugänsen festgestellt hat. Das Wissen um den anderen beruhigt Sender und Empfänger gleichermaßen – vielleicht abgesehen, wenn der Sender zu seiner Anregung Kaffee trinkt. Und wenn dieses ein menschliches Grundbedürfnis ist, und Facebook zu dessen Erfüllung beiträgt, dann kann das doch grundsätzlich nicht von Übel sein.

Gewinner, sind die aus der zweiten Reihe

In unserem Leben kommen wir mit vielen Menschen in Kontakt. Manche Kontakte treten hervor und werden Freunde, andere bleiben oberflächlich. Und von denen, die Freunde waren, sinken einige wieder in die zwei Reihe oder verschwinden ganz aus dem Leben. Das ist insgesamt nicht problematisch. Es ist Teil der Biographie von jedem Einzelnen.

Nicht nur die Lebenswege entwickeln sich unterschiedlich, es kommt auch die Zeit, wo das verbleibende Wochenzeitkontingent “Freunde” einfach nicht mehr reicht, um mit allen Freunden (und den Bekannten aus der zweiten Reihe) den Kontakt in gewünschtem Maße zu pflegen. Und doch möchte man von einigen Entschwundenen wissen, wie es ihnen geht und wo sie ihr Weg hingeführt hat.

Die Ursache für die fehlende Zeit (oder Kraft) muss nicht einmal der Hausbau, die neue berufliche Herausforderung oder gerade auch ein (oder mehrere) Kind(er) sein, welche in der Wochenplanung mehr und mehr Zeit für sich beanspruchen. Die Gründe können durchaus weniger schwer sein.

Hier bietet Facebook jedoch eine Plattform, die nicht nur technologisch leicht und einfach die gezielte Informationsverbreitung in meinen Freundes- und Bekanntenkreis ermöglicht. Es ist auch der mittlerweile hohe Anteil vorhandener Personen, welcher es mir ermöglicht (ohne “Umzuschalten”) auf einem Spielfeld dieses umzusetzen. Mittlerweile kann ich einen deutlich höheren Kreis an Menschen über meinen Alltag (Kaffee), meine Projekte (Hausbau, Job, Kind(er)) und meine aktuellen Interessen (I like!) up to date halten. Das erleichtert die (Wiederaufnahme der) Kommunikation nicht nur beim nächsten Klassentreffen.

Und wenn man mit jemanden keinen Kontakt wünscht, so kann man die Anfrage immer noch ablehnen oder die Person in der Informationsverteilung “aussteuern”. Dieses ist nicht verwerflich, sondern kommt dem natürlichen sozialen Verhalten des Menschen sehr entgegen und findet auch im offline Alltag statt.

Hingehen, dabei sein und sich einbringen

Das Faszinierende für mich ist nicht nur die Tatsache, dass ich mein bisheriges Netzwerk an Freunden und Bekannten über Facebook halten und festigen kann. Nein, Facebook (und einige andere Plattformen) bieten eine gute Basis neue und spannende Kontakte zu bekommen. So etwas gab es in dieser einfachen und konzentrierten Form – zumindest auf globalem Level – vorher nicht.

Die Party Metapher für Social Media ist fast schon überreizt. Doch es gibt kaum ein besseres Beispiel, unter welchen Spielregeln die Interaktion auf Facebook und Co ablaufen sollte. Hierbei sind drei Motive für mich persönlich sehr stark, die schon für Kinder jeden Alters gelten, wenn sie mit anderen Kindern zusammen kommen wollen:

Wer Spaß oder Kontakt zu interessanten Menschen in Social Media haben möchte, der sollte da hingehen, wo sich diese Personen aufhalten: Also muss man zuerst einmal einen Plan haben, wer die Leute überhaupt sind und wo sie sich aufhalten. Hier bieten sich nicht nur Facebook, sondern auch Twitter oder Google plus an. Aber der Grundgedanke ist identisch. Und dann muss man eben den Impuls umsetzen und den Raum X betreten.

Wer nun seine Influencer gefunden hat, der sollte sich ausreichend Zeit nehmen, diesen zuzuhören. Und das funktioniert auch nicht einmal pro Jahr, sondern das Twitter-Prinzip des Folgens setzt schon ein deutlich kürzeres Zeitintervall und eine gewisse Regelmäßigkeit voraus. Man sollte dabei sein, wenn die Gespräche stattfinden. Hier wird aus Folgen über Zuhören und Kennenlernen langsam ein gemeinsames Fundament für einen tieferen Kontakt.

Je nachdem wie fit man sich fühlt, kommt dann der Punkt, wo man in das Gespräch einsteigen möchte. Doch sich einzubringen setzt nicht nur einfach den Mut voraus loszuplappern, sondern Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft einen Mehrwert in die Unterhaltung mitzubringen. Wenn dieses nicht besteht, dann sollte man es besser lassen. Aber wer den Mut aufbringt, der wird belohnt.

Persönlich kann ich sagen, dass ich mich immer noch freue, dass mich einige tolle Influencer als (relevanten) Kontakt hinzugefügt haben und wir uns gelegentlich auch außerhalb von Social Media sehen. Aber ohne Facebook (und Twitter) wäre das nicht in diesem Maß möglich gewesen.

Paralleler Siegeszug der Smartphones

Es ist die Möglichkeit der mobilen Nutzung, nicht nur zu allen Tages- und Nachtzeiten, sondern auch an jedem Ort, welche Facebook (aber auch andere SocialMedia Plattformen) so attraktiv macht. Und das Smartphone ist hier das Endgerät der Wahl. Man muss nicht Nomophobiker sein, um die Bedeutung der neuen Mobiltelefone im Alltag zu schätzen – wobei das reine Telefonieren mittlerweile nur noch eine untergeordnete Bedeutung hat. Der Verbindungsweg ist 7/24 immer da und mein Ein- und Ausgangskorb zu all meinen Freunden und Bekannten. Hier hat Facebook mit dem Smartphone Boom einen guten Umterstützer für seine eigenen Erfolg erwischt!

Das Facebook die Bedeutung von Mobile wohl in der ersten Zeit unterschätzt hat, mag verwundern. Aktuelle frage ich mich, ob die zunehmende Monetarisierung sprich die Belegung des mobilen Kanals mit Werbung einen Punkt erreicht, wo ich es als Belästigung in meinen persönlichen Gesprächen mit meinen Freunden empfinde. Die Frage ist jetzt, wie groß der (Werbe)Druck werden muss, damit ich in andere Kanäle ausweiche.

 

Persönlich kann ich sagen, dass ich immer noch gerne auf Facebook bin. Mittlerweile baue ich zwar einige Fanpage Kontakte u.a. zurück, hoffe damit aber die Attraktivität und Relevanz der Kontakte auf dieser Plattform für mich zu erhalte. In diesem Sinn:

Happy Birthday Facebook!

 

#Facebook #Smartphone #Mobile