Liegen gelassen worden?

Wenn die Digitalisierung zuschlägt

Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich anfange meinen Kindern von früher zu erzählen. Dabei sind viele Dinge, die wir heute so selbstverständlich im Alltag akzeptieren, noch gar nicht so alt, wie es damals in Richtung zu Omas Grammophon war. Die großen Plattformen haben nicht einmal zwei Dekaden auf dem Buckel. Die mobilen Zugangsgeräte, die das Internet endlich vom Schreibtisch in die Hand brachten, haben sogar deutlich weniger Strecke auf der Zeitlinie hinter sich:

  • Google 1998
  • Facebook 2004
  • Das erste iPhone 2007
  • Das erste iPad 2010

Doch was heißt das schon? Es wird zwar viel von Digitalisierung geredet. Da fällt der Begriff der disruptiven Innovationen, welcher die Schumpetersche schöpferische Zerstörung ein klein wenig netter ausdrückt. Aber das ist doch recht theoretisch um weit weg. Ist #Neuland wirklich noch so weit weg vom Alltag der Menschen?

Nein. Wer die Welle der laufenden Veränderungen nicht sehen möchte, der muss in diesen Tagen und Wochen die Augen im Alltag sehr gut verschließen. Mein augenfälligstes Beispiel sind die Telefonbücher, die auf neue Besitzer warten … doch es erbarmen sich immer weniger. Es gibt sicherlich noch Menschen, die es gut finden, die Zahlensammlungen auf gemahlenem Holz im Haus zu haben, doch es werden immer weniger.

Hier ist wohl kein aufwärts kommen.

Hier ist wohl kein Aufwärts mehr geben.

Nachlaufen hilft auch nicht

Früher holten die Leute sie bei der Post ab, doch das ist lange her. In manchen Gegenden kommen sie noch ins Treppenhaus. Zwar werden sie sicherlich als statistisch ausgeliefert betrachtet, doch landen die meisten davon wohl gleich wieder im Altpapier um zu neuen Telefonbüchern zu werden. … naja, auch ein Wirtschaftskreislauf.

Jetzt tauchen sie im Discounter auf und betteln darum mitgenommen zu werden … Entschuldigung: Erleichtern es so den Menschen in ihrem Alltag – beim Einkauf –  die Telefonbücher mit nach Hause zunehmen. Doch meistens blockieren sie wohl eher die Durchgänge oder den Zugang zu attraktiven Waren.

Wenn ein Medium zurück gelassen wird, dann braucht es alternativen.

Wenn ein Medium zurück gelassen wird, dann braucht es Alternativen.

Braucht sie denn niemand mehr? Nein! Im Internet sind alle relevanten Telefonnummern und andere Zugangswege nur einen Klick entfernt, wenn ich sie denn brauche. Und so stauben sie mir auch nicht im Regal voll oder nehmen in meiner Wohnung Platz weg.

Jedes Unternehmen, jeder Hersteller, jeder Dienstleister ist aufgefordert, die Veränderungen zu beobachten und dann schnell darauf zu reagieren. Wer schlau ist, schaut sich rechtzeitig selber danach um, wie die eigenen Leistungen digitalisiert werden können, wie die eigene Wertschöpfungskette in Zeiten von eCommerce optiniert werden kann. Wenn die Digitalisierung zuschlägt, dann kann die Luft für das eigenen Geschäftsmodell schon sehr schnell dünn werden.

Digitalisierung bitte ernst nehmen. Sonst kann es passieren, dass man liegen gelassen wird.