Nicht unter gehen!

Social Media hat keine Balken

Wenn es um die Fähigkeit geht, seinen “Kopf oben” zu behalten, dann bietet sich bei Social Media ein Vergleich mit der Fähigkeit Schwimmen zu können durchaus an. Analog zum Wasser bedarf es in den sozialen Netzwerken Kenntnisse, sich in der Materie zu bewegen und im Kontakt zur Wasseroberfläche zu bleiben. Es ist zwar nicht immer eine Frage von Leben und Tod. Aber manche Vorkommnisse auf Facebook und Twitter können schon dazu führen, dass man lieber erstmal hustend den Beckenrand ansteuern und sich eine Auszeit gönnen möchte.

In Anlehnung zum Schwimmen sind folgende Faktoren sehr hilfreich, um in Social Media zu bestehen:

  • gründliche Ausbildung in der Technik
  • gutes Training der eigenen Fähigkeiten
  • eine ausgeprägte Kondition

Diese sollte jeder Verantwortliche beherzen und hier zur Not Ausbildung und Training einfordern. Die Kondition sollte man sich im Training erarbeiten. Aber laufende – eigenverantwortliche – Praxis zur persönlichen Weiterbildung sollte sich jeder selbst auf die Fahnen schreiben.

Hilfsmittel gefällig?

Hilfsmittel gefällig?

Es gibt traurige Ereignisse, wo Leute in knietiefem Wasser ertrinken. Was dann meist an Strömung und/oder grundsätzlicher Panik der Opfer im Zusammentreffen mit dem Medium Wasser liegt … auch hier ließen sich unzweifelhaft Analogien zu den sozialen Netzwerken erarbeiten. Aber das lasse ich jetzt einmal beiseite.

Doch ist da noch mehr?

Hilfsmittel sind erlaubt

Wer den Urgedanken von Social Media leben möchte, der sollte das Thema Hilfe bzw. Hilfsmittel nicht außer Acht lassen. Wenn ich in der Schwimmen-Analogie bleibe, dann bieten sich hier gleich mehrere Funktionen an, die sich hier in Social Media mit einem Äquivalent besetzen lassen:

Die Schwimmbrille

Das menschliche Auge kann erfolgreich über Wasser sehen, braucht aber unter Wasser das Hilfsmittel einer Schwimm- oder Taucherbrille, damit alles scharf ins Auge genommen werden kann. Hier bietet sich der Vergleich zur Medienkompetenz an. Die letzten Jahrzehnte haben wir gelernt in den klassischen Medien Beiträge zu finden, zu lesen und zu bewerten. In Social Media müssen wir jedoch umlernen und neue Erfahrungen/Einwertungen von Absendern und gesendeten Botschaften durchführen. Denn Social Media ist nicht Zeitung, genauso wie Zeitung nicht TV ist. Und immer, wenn wir im neuen Medium scharf sehen wollen, dann brauchen wir unsere digitale Schwimmbrille.

Die Baderegeln und der Bademeister

Nicht in allen Becken darf vom Rand gesprungen werden. Und wer sich nicht dran hält, der riskiert einen Rüffel bzw. einen Verweis des Aufsichthabenden. Regeln sind dafür da, dass sich alle daran halten. Jeder Fanpage Betreiber sollte tunlichst seine Bade- resp. Verhaltensregeln klar kommunizieren. Nur so wissen die Teilnehmer, wie sie sich zu verhalten haben.

Das kann versicherungs- oder aufsichtsrechtliche Gründe haben oder aber auch nur die vom Betreiber gewünschten Umgangsformen im Schwimmbad miteinander widerspiegeln. Für Social Media gelten hier unzweifelhaft übergeordnete Regeln aus Datenschutz und z.B. Vertrauensbeziehungen wie mit einem Arzt, Anwalt oder einer Bank. Aber auch andere Kriterien kann eine Pagebetreiber festlegen, wenn ihm die Einhaltung bestimmter Verhaltensweisen wichtig ist. Doch wer wacht über die Einhaltung der Regelungen?

Ob die Bademeisterrolle nun vom Community-Management oder dem Social Media Manager eingenommen wird, ist letztendlich egal. Die Einhaltung der Regeln für die eigene Seite kann und muss der Verantwortliche des Betreibers überwachen. Und Verstöße dagegen sind mit einem Pfiff resp. entsprechendem Kommentar unter Verweis auf die Regel XY zu ahnden. Dabei sollten Löschungen und Verweise das letzte Mittel sein. Aber manchmal geht es eben nicht anders, denn Leute, die sich nicht an Basisregeln halten, haben im Becken wie auf der eigenen Seite nix zu suchen. Das ist in Social Media so wie im Freibad um die Ecke.

Der Rettungsschwimmer

Das Bild des Helfenden in der – kleinen oder größeren – Not findet ich immer wieder gut in Social Media abgebildet. Nicht zuletzt der Hashtag #FollowerPower, der sich an eine Frage in die eigene Gemeinde anschließt, ist ein Zeichen, dass Schwimmer in Social Media jetzt bitte einen Rat, eine Hilfestellung oder Rettung bräuchte. Und das Schöne ist, dass die Hilfestellung dann auch meist kommt. Wobei ich im Rettungsfall nicht unbedingt auf diesen weichen Appell zurückgreifen würde.

Was ebenfalls gar nicht mal so unähnlich zum Bild des Schwimmers ist, sind die Rahmenbedingungen, die eine Auswirkung auf den Grand der Bereitschaft des Rettenden haben:

    • Häufigkeit der Anfragen
    • Ausmass der Konsequenzen
    • Verantwortung für die Rolle des Rettenden
    • Menschliche/organisatorische “Nähe” zum Rettenden

Sein Netz an Rettenden sollte man in Social Media gut pflegen, denn die Gewässertiefen können teilweise abyssale Ausmaße annehmen. Das hängt natürlich auch von dem Gewässer ab, in welchem die eigenen Posts zu Wasser gelassen werden, aber manchmal sind Überraschungen in Social Media eben auch in ihrem Ausnahmecharakter selbst für geübte Schwimmer zu viel. Und wer dann nicht in der Lage ist, um Hilfe fragen zu können, dem fehlt unter Umständen doch mal der rettende Strohhalm.

Und man sollte aber auch in Social Media seine Rettenden nicht überfordern. Im Fall von Krisenkommunikation hilft dann eben nur noch der Seenotrettungskreuzer und/oder -hubschrauber, was in Social Media sicherlich der Rolle der PR-/Kommunikationsagentur (mit Social Media Kompetenz) oder einem bzw. eher mehreren Top-Influencern entsprechen würde. Aber das Netzwerk insgesamt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Hilfe kann man nicht genug haben.

Das Schwimmbrett und die Schwimmflügelchen

Neben den echten Rettern gibt es aber auch die kleinen Helferlein. Jedes Kind bekommt sehr schnell zu spüren, dass ohne Schwimmflügel es herausfordernder wird, den Kopf über Wasser zu halten. Und wer an seinem Schwimmstil arbeiten möchte, der erhöht seinen Auftrieb nachhaltig mit einem Schwimmbrett. Und solche Hilfsmittel gibt es auch in Social Media: Da gibt es Programm für die Bildbearbeitung, für die automatisierte Überwachung der eigenen Seite und für andere vielerlei Dinge, die man dann eben nicht mehr selbst bzw. hinterher deutlich schneller erledigen kann. Und so kommt man dann auch besser voran: Im Wasser und auch im Social Media Alltag.

Die Flossen

Wer einen Turbo braucht, dem helfen Flossen beim Vorankommen im Wasser sehr. Diese lassen sich je nach Wunsch und Möglichkeiten einsetzen. Ob kurz oder lang, ob hart oder weich und ob eine oder zwei. Die richtige Wahl der Flossen sollte dem eigenen Kraftaufwand ein entsprechendes “Mehr” verleihen.

Hier wird es etwas tricky, aber auch hier lassen sich Analogien finden:

Redaktion: Aber auch Redaktionssysteme wie Tweetdeck, Buffer oder Hootsuite sind Helferlein, die bei einem gewissen Engagement ein signifikates “Mehr” für die tägliche Arbeit generieren. Die Umsetzung der Beiträge über Plattformen und eigene Arbeitszeiten hinaus, erleichtert die Umsetzung einer Social Media Präsenz im Sinne des “Aktiv-Seins” über eine sehr lange Zeitspanne. Diese Plattformen halten einen somit schwimmflügelmäßig sehr, sehr lange über Wasser.

Reichweite: Wer ein Mehr an Reichweite erzielen möchte, der sollte seine eigenen Kolleginnen und Kollegen ermutigen, Beiträge der Firma zu teilen. Auch dieses stellt den eigenen Reichweiten noch zahlreiche – vmtl. Kleinere (aber wer weiß, ob da nicht nen Hero unter den Mitarbeitern ist) – Andere an die Seite. Die Summe der Teile gibt dann ein deutliches Plus an Zuhörer- resp. Leserschaft. Und wenn das Reporting gut ist, dann könnten auch Meinungsbildner in der eigenen Reihen auffallen, die ggfs. für andere Themen noch wirkungsvoller eingesetzt werden können. Diese Flossen würde ich dann wieder nehmen.

Wenn einem anschließend die Beine weh tun, dann war es entweder die falsche Flosse oder das Training reicht noch nicht. Aber da sollte jeder das richtige Gespür für die Dosis entwickeln.

Sicherlich ließen sich noch weitere Funktionen benennen. Fallen Euch noch welche ein?

Wer Balken in Social Media braucht, muss sie in jedem Fall selber mitbringen.