Social Media Leben – eine Geburtstagsbetrachtung

Zahlen über Zahlen – doch welche?

Es wird viel über die einzelnen Social Media Plattformen berichtet und wer wie groß, wie vital und wie stark ist. Es findet in Pressemitteilungen eine rege Zahlenschlacht statt. Dabei wird viel Sand in die Augen gestreut. Jede Zahl hat Ihre Berechtigung, aber man sollte schauen, was sie denn eigentlich aussagt bzw aussagen kann.

1. Angemeldete Nutzer

Diese Zahl liefert den Datenbestand der jeweiligen Plattform von einzelnen Profilen, die sich  zu “irgendeinem” Zeitpunkt angemeldet haben.

Die Zahl mag eindrucksvoll die Größe des eingesammelten Datenbestandes an Profilen beschreiben, liefert aber keinen Beleg über die Bedeutung der Social Media Plattform zum jeweils aktuellen Zeitpunkt. Auch MySpace und die VZ Netzwerke mögen hier eine eindrucksvolle Zahl liefern. Allerdings sind die  User längst abgewandert zu Facebook & Co. Meist melden sich die User nicht aktiv ab, sondern lassen Ihr Profil und die persönlichen Daten einfach zurück. Für eine Weile mag dann noch Profit aus den Profilen zu ziehen sein. Aber nach und nach werden auch Newsletter und andere Meldungen aus den Plattformen ignoriert, gleich gelöscht oder sogar auf Spam-Filter gesetzt.

Fazit: Die Zahl ist sinnlos, da sie keine relevante Aussage liefert.

2. Aktiven User pro Zeiteinheit

Das ist aktuell die aus meiner Sicht die gebräuchlichste Zahl. Sie liefert die User Zahl, die bei einer Plattform nicht einfach nur angemeldet ist, sondern die in einem Zeitraum X aktiv geworden ist.

Über diesen Wert lässt sich ein Blick auf die “aktuelle” Größe des Userbestands werfen, da die User ja mindestens einmal im Zeitraum X aktiv waren. Damit sind auf- bzw zurückgelassene Profile nicht enthalten und damit ein guter Blick auf die Lebendmasse der Nutzer gegeben.

Nachteil dieses Wertes ist die fehlende Aussagen, wie lange die User auf der Plattform im Zeitraum aktiv sind und was sie an Aktivitäten durchgeführt haben. Da das “Soziale” in Social Media die Interaktion der User untereinander ist, wäre ein aktives Profil im Sinne eines zeitnahen Rein-Raus, keine Aussage über Vitalität.

Fazit: Diese Zahl liefert immerhin einen Wert, dass die aktiven User die Plattform noch nicht völlig abgeschrieben haben. Aber ein Beweis, dass die User die Plattform in ihr tägliches bzw xxx (hier Zeiteinheit einsetzen) Leben integriert haben, ist diese Zahl nicht.

3. Verweildauer pro Zeiteinheit

Die Währung ist zusammen mit den aktiven Usern  deutlich härter, denn hier ist die Anmeldedauer ein Indiz, dass die User die Plattform auf ihrem Schirm behalten (wollen). Sie sagt aus, wie lange die User mit der Plattform verbunden sind.

Nachteilig ist jedoch die Tatsache, dass hier passiv-konsumtive (lean-backward) Anmeldungen mit aktiv-konsumtiven (mit Interaktion wie Like) und  kreativen (lean-forward) Aktivitäten gleichfalls in die Verweildauer fallen. Nun sind die Plattformen aber insgesamt sehr unterschiedlich, wie man dort aktiv werden kann und was die User dort einbringen möchten. Business-Plattformen wie LinkedIn und Xing werden sicherlich nicht für das spaßige Freizeitleben genutzt und daher immer eine geringere Verweildauern haben. Auch Twitter wird eher als News-Channel verwendet – bis auf die Social Media Nerds, die auch dort Unterhaltungen und privates Leben einbringen. YouTube ist wohl eher Social Media TV mit meist passiver Nutzung. Damit bleiben mit Facebook und Google Plus die beiden Schwergewichte an Usern für berufliches wie privates Leben. Doch hier hat Google Plus sicherlich noch einiges aufzuholen.

4. Weitere Werte

  1. Zuwachs User – Hier ist Vorsicht vor Prozentwerten geboten, da die Zahlen bei großen Plattformen automatisch kleiner werden. Bzw. wenn die Zahlen groß bleiben … sind sie ungleich eindrucksvoller. Absolute Werte aber liefern auch einen guten Ansatzpunkt für eine Bewertung. 
  2. Bei Plus und Minus Betrachtungen sollten man sich nicht von kurzfristigen Trends täuschen lassen. Diese verwischen gerade bei gesättigten Märkten längerfristige Trends. Aber über mehrere Monate kann man auch dort Gewinner und Verlierer gut bewerten. 
  3. Aktive Überleitung in den eCommerce sind eine Aussage, wie die Plattformen für Shop-Betreiber nutzbar sind … aber vielleicht bieten sie keine Begeisterung für die tägliche private wie berufliche Nutzung durch die User.  Da sind andere Zahlen mit in die Betrachtung einzubeziehen.
  4. Und viele mehr. Welches ist Eure Lieblingszahl?

Persönliche Betrachtung mit Augenzwinkern

Geburtstagsgrüße

Vor gut einer Woche hatte ich Geburtstag und es war spannend zu sehen, über welche Kanäle die Geburtstagsgrüße mich erreicht haben. Hier meine völlig unrepräsentative Social Media Betrachtung:

Die aktiven Plattformen:

  • Facebook – 59 Chronik-Einträge und 8 Nachrichten
  • Xing – 35 Nachrichten
  • Twitter – 9 Tweets
  • WhatsApp – 7 Nachrichten
  • SMS – 3 SMS

Hier zeigt sich deutlich, welche Plattformen es geschafft haben, Teil meines Lebens zu werden. Meine Kontakte, Freunde und Follower wollen dort mit mir sozial interagieren – hier indem sie mir zum Geburtstag gratulieren. Was auffällt, ist unzweifelhaft die Bedeutung der mobilen Nutzung, die bei WhatsApp und SMS per Definition integriert ist. Aber auch Facebook hat sich in hohem Maß die Nutzung über Smartphone & Co. erschlossen. Bei den aktiven Twitterern sollte dieses auch so sein. In welchem Ausmaß Xing mobil genutzt wird, kann ich nicht sagen. Allerdings würde ich vermuten, dass die “echten” Nutzer hier ebenfalls hauptsächlich über die App kommen.

Die Geisterstädte (sorry G+, das war jetzt zu naheliegend):

  • Google Plus – 0 Einträge
  • LinkedIn – 0 Nachrichten
  • eMail – keine!

Der offensichtliche Tod von eMail hat mich selbst etwas überrascht. Aber bei GooglePlus hätte ich echt mit mehr gerechnet. … wenigstens mit einem – für die Plattform – Mitleidsgruß. Bei LinkedIn greift in Deutschland die aktive Nutzung – gegenüber von Xing -wohl gegenwärtig noch nicht.

Fazit

Es gibt viele Zahlen, die eine echte Aussage haben. Aber bitte berücksichtigt bei der Bewertung immer, was die Zahl sagen kann und was nicht. Auch wenn die Charts und Zahlen-Kolonnen manchmal mit viel Getöse in die Medien gepumpt werden, es geht immer um den “Erfolg” (… wer erzählt schon gerne von seinen Schwächen). Gerade wenn Werbe-Schaltende und andere Geldgeber sehr aufmerksam zusehen.

Vorsicht von geänderten Datenmaterial! So hat bspw Facebook neulich seine Bewertungsgrundlage geändert und aus dem Stand sechs- und siebenstellige Nutzerzuwächse kommunizieren können. Nehmen wir es nicht als Taschenspielertrick, sondern als dem Nutzerverhalten angepasste Analyse.

Aber wir sollten die Zahlen wissend bewerten.