Social Media vs. Messenger

Meine kleine Geburtstagsanalyse

Wie in den Vorjahren nutze ich einmal im Jahr die zu meinem Geburtstag eingegangenen Glückwünsche, um auf die – in meinem direkten Umfeld – aktuelle Kanalnutzung zu schauen. Natürlich ist die Fallzahl viel zu niedrig für eine ernsthafte statistische Aussagefähigkeit. Und die fraglichen Gratulantinnen und Gratulanten sind ohne Zweifel Klasse (Sind super tolle Leute dabei!) … aber repräsentativ sind diese Menschen dann eben doch nicht. Trotzdem will ich mal schauen, was ich aus den Zahlen herauskitzeln kann.

Wie schlagen sich die einzelnen Kanäle in der eigenen Wahrnehmung.

Wie schlagen sich die einzelnen Kanäle in der eigenen Wahrnehmung.

In diesem Sinne ist der Artikel mit einem gehörigen Augenzwinkern zu lesen. Aber vielleicht finden wir ja einen Kern Wahrheit dabei. Und wer mag, kann das Verhalten ja gern mit dem in seinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis vergleichen. Schauen wir mal, was rauskommt.

Da ich nun drei Jahre am Start habe, die in die Auswertung einfließen, habe ich die Zahlen beim jeweiligen Kanal untereinander aufgelistet. Mal sehen, ob sich da der eine oder andere Trend ergibt … bzw. vermuten lässt.

  • 2013
  • 2014
  • 2015

Klassiker

Meine Vorliebe zu Social Media mal hinten angestellt. Neben persönlichen – oder fernmündlichen – Glückwünschen sind zahlreiche Klassiker für die Übermittlung der guten Wünsche geläufig. Hier ein paar mediale Evergreens, die sich bis heute bewährt haben und über die sicherlich auch bei Euch Geburtstagsgrüße ankommen.

eMail

  • 2013: 0
  • 2014: 2
  • 2015: 7

Wahrscheinlich der Fall eines statistischen Ausreißers … . Es gibt umfangreiche Berichte, dass Social Media in der Kombination mit eMail Marketing sehr wirkungsvoll ist. Aber, ob eMail eine Art Renaissance erleben wird, mag ich jetzt noch nicht aus den Zahlen ableiten. Es bleibt spannend.

Ganz abschreiben sollte man diesen Kanal aber in jedem Fall nicht.

SMS

  • 2013: 3
  • 2014: 3
  • 2015: 5

Der gute alte 160 Zeichen Text … habe selbst gerade überlegen müssen wie viele es denn nun waren. 140 hatte ich zuerst im Kopf, aber das ist Twitter. Doch dazu kommen wir später. Dass man die Grenze nicht mehr so im Kopf hat, liegt ohne Zweifel daran, dass man jetzt bei den meisten Handys einfach munter drauflos schreiben kann und es dann leicht 160+13 und 160+34 und 160+160+2 werden und man rucki-zucki sein SMS Kontingent verfrühstückt hat, wo nach dem eigenen Bauchgefühl es gerade drei Meldungen waren. Sicher gut für die Telekom Anbieter, aber schlecht für die Rechnung.

Das ich hier einen Anstieg habe, ist völlig subjektiv. Es ist auch im Jahre 2015 eigentlich die konstante Anzahl an “Messenger-Dienst-Verweigerern”. Und dabei ist die überwiegende Anzahl jetzt auf Smartphones umgestiegen – aber hat noch nicht zu WhatsApp gefunden. Der scheinbare Anstieg ist der Tatsache geschuldet, dass ich über meinen Geburststag im Ausland weilte und eben zwei nette Menschen dachten: Wenn man ihn sonst nicht erreicht, dann bestimmt per SMS. Recht hatten sie: Glückwünsche kamen an. Ein Trend ist das aber nicht. Die SMS Nutzung wird wohl noch über einige Jahre auf einem Sockel verharren, um dann schließlich langsam gegen null zu gehen.

Hier liegt sie nicht die Zukunft der Dialogkommunikation.

Social Media

Hier liegt eigentlich die Kernkompetenz medial im persönlichen Netzwerk die besten Wünsche zum Geburtstag loszuwerden. Zumindest für den schnellen Gruß. Gute Freunde kommen vorbei oder telefonieren mit einem bis das Ohr glüht. Doch werde schnell ein “Ich denke an Dich” loswerden möchte am Tag der Tage, der ist doch auf Social Media genau richtig. Doch wie schlagen sich die einzelnen Plattformen?

Facebook

  • 2013: 59
  • 2014: 114
  • 2015: 136

Was soll man dazu sagen: Die Zahlen sprechen für sich. Facebook ist ohne Zweifel der Platzhirsch in Social Media und war auch bei meinen Geburtstagsglückwünschen die Nummer Eins. Für alle Menschen, die digital in Kontakt stehen, bietet Facebook die leichteste Möglichkeit schnell und mit einer Sichtbarkeit für Dritte seine Glückwünsche loszuwerden. Hier greift also noch die Kernidee von Facebook und ist somit quasi ein gemeinsames Kerzen ausblasen per Nullen und Einsen.

Ob ich aus den Zahlen jetzt schon ein Absinken des Zuwachses sehe, mag ich nicht zu sagen. Doch auch die Zuwächse an neuen Freunden sind bei mir nicht mehr so dynamisch wie noch vor einiger Zeit.

In jedem Fall ist es wohl keine Hexerei zu behaupten, dass Facebook noch eine Weile das Feld anführen wird.

Xing

  • 2013: 35
  • 2014: 32
  • 2015: 45

Wer geschäftlich unterwegs ist, der steht in Deutschland auf professionaler Basis via Xing in Kontakt. Der deutsche Platzhirsch der Business-Plattformen beweist hier eine erstaunliche Lebendigkeit.

Das die Zahlen so groß sind, liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass ich seit Jahren konsequent meinen Kontakten auf Xing zum Geburtstag gratuliere. Bei der Anzahl meiner Kontakte und derer, die davon mir ihre Geburtstagsdaten freigeschaltet haben, ist das im Fazit wohl eher eine schmale “Rendite”. Doch darum geht es mir nicht. Diejenigen, die Xing häufiger nutzen und da ist noch ein wackerer Kern vorhanden, nutzen die Plattform auch zum “Like” von geteilten Beiträgen und anderen Aktivitäten. Diese gemeinsamen Aktionen machen Spaß – sogar auf der professionellen Plattform.

Xing erfreut sich – allerdings begrenzt auf das deutschsprachige Parkett – einer für mich überraschenden Gesundheit. Dieses liegt aus meiner Sicht an den geschickten Zukäufen der letzten Jahre und deren smarter Integration in die Xing Familie.

Ob das auf Dauer reicht gegen den internationalen Konkurrenten LinkedIn, bezweifel ich doch.

Twitter

  • 2013: 9
  • 2014: 9
  • 2015: 0

Dieses ist aus meiner Sicht die deutlichste Veränderung. Schon an anderen Stellen habe ich festgestellt, dass auf Twitter weniger Response kommt, obwohl ich den  Twitter-Kanal seit ein paar Jahren unverändert bespiele und auch dort regelmäßig anderen zum Geburtstag gratuliere. Doch vielleicht ist es ja auch nur eine Ausnahme gewesen. Da Twitter nach wie vor einer meiner Lieblingskanäle ist, würde ich einen solchen Rückgang sehr bedauern.

Hier bleibt aus meiner Sicht abzuwarten, ob sich der Kanal in Zukunft wieder berappeln resp. beleben wird.

LinkedIn

  • 2013: 0
  • 2014: 0
  • 2015: 1

Eine Überraschung aus meiner Sicht, denn in jedem Fall hat LinkedIn keine so gute Erreichbarkeit der Geburtstage der Business Kontakte wie Xing. So war ich verblüfft, dass hier überhaupt ein Geburtstagsgruß ankam. Aus meiner Sicht sind auch Geburtstagsgrüße auf einem Business Portal angemessen. Welche Spezialist oder Manager freut sich nicht auch, wenn zu seinem besonderen Tag Grüße kommen – wer ist da kein Mensch.

LinkedIn hat in den letzten Monaten erkennbar an neuen Kontakten gewonnen. Viele meiner Kontakte, die bisher nur auf Xing waren sind, jetzt mittlerweile auf LinkedIn vertreten. Wie die User Aktivität sich beim internationalen Platzhirsch entwickelt, bleibt abzuwarten. Vielleicht passen für eine ganze Weile auch zwei digitale Visitenkartenhalter. Doch beide Plattformen mühen sich so sehr, deutlich mehr zu werden. So müssen wir wohl abwarten, welchen Effekt der aktuelle und der zukünftige Ausbau bei der Userwahl haben wird. Mein Bauchgefühl bleibt: Gerade als Vertreter einer Exportnation werden uns die internationalen Kontakte nach unserer Mitgliedschaft auf LinkedIn fragen. Auf Xing werden diese Kontakte nicht gehen. Und dann kommt der Punkt, wo sich viele User fragen werden: Warum zwei Plattformen?

Vielleicht bringt LinkedIn noch das Geburtstags-Feature! Schauen wir mal.

Sonstiges

Doch was ist mit den anderen Plattformen, welche die Social Media Welt so reichhaltig bevölkern. Da rührt sich – bei meinen Geburtstagsgrüßen – erstaunlich wenig. Aber man muss fairerweise sagen, dass die wenigsten (Ausnahme hier: Google+) eine geeignete Möglichkeit vorsehen Geburtstagsgrüße zu platzieren. Von daher ist das Ergebnis nicht allzu überraschend. Meine Resterampe: Path, Google+, Stayfriends etc. ruhen bei Geburtstagsgrüßen sehr friedlich.

Schauen wir mal, ob da nochmal was kommt.

Messenger

Die Tatsache, dass Messenger in den letzten Jahren sehr in Akzeptanz und Nutzung gestiegen sind, bedeutet nicht, dass Social Media jetzt ins Bodenlose sinken wird, sondern nur, dass ein gestiegener Anteil der allgemeinen Mediennutzung jetzt auf diese Dialog-Plattformen entfallen wird. Die Medienzeit wächst seit Jahren und verteilt sich auf der anderen Seite aber auf immer mehr Kanäle. Nicht zuletzt wegen der Second Screen Thematik, wo jetzt TV geschaut und parallel gesurft, gefacebookt, gewhatsappt etc. wird.

WhatsApp

  • 2013: 7
  • 2014: 5
  • 2015: 12

Es wächst und wächst. Zwar haben wir hier noch keine Zahlen wie bei Facebook. Doch der Trend scheint – auch bei meiner Geburtstagsauswertung – nach oben zu gehen. Die Kommunikation im direkten Dialog funktioniert auch für Geburtstagsgrüße sehr gut. In der Kommunikation nimmt WhatsApp einen immer größeren Anteil ein. Es bleibt abzuwarten, wann auch diese Anwendung die 1 Milliarde Nutzer Grenze passieren wird. Und auch diese Menschen freuen sich über Geburtstagsgrüße.

Facebook Messenger

  • 2013: 8
  • 2014: 9
  • 2015: 9

Wer Facebook hat, nutzt auch den Messenger. Einige mehr und einige weniger.

Befremdlich finde ich immer noch, dass Menschen eine umfangreiche Facebook Präsenz aufbauen und es anderen Personen nicht ermöglichen wollen, die Glückwünsche bei Ihrem (Personen-)Profil zu platzieren. Hier auf den Messenger auszuweichen, finde ich irgendwie schräg. Persönlich schicke ich dann meistens eine Nachricht über Xing. Wer es gern förmlicher hätte, der bekommt es dann einfach per Geschäftspost.

Aus meiner Sicht macht die Existenz von zwei Messenger Systemen in der Facebook Familie keinen Sinn und es stellt sich die Frage, wann sie intergriert werden. Ob Facebook eine Strategie wie Volkswagen fährt und eben einen WhatsApp-Golf und einen Messenger-A3 für alle Zeit parallel fahren lässt, wage ich zu bezweifeln.

Mal sehen, ob aus Blau Grün wird oder umgekehrt. An den beiden Messengern geht in den nächsten Jahren auf jeden Fall kein Weg vorbei.

Sonstige

Bei den anderen wie Threema, Line und Telegram ruht der See auch noch bzw. schon immer recht still. Beim Shootingstar Snapchat sehe ich in meinem direkten Umfeld noch recht wenig Bewegung – das mag aber auch an der Zahl auf meinem Geburtstagskuchen liegen. Vielleicht erschießt sich das – in meinem Alter – einfach noch nicht ganz auf den ersten Blick.

Fazit

In Sachen Geburtstagsgrüße ist die Facebook Familie gut aufgestellt und wird wohl auch in den nächsten Jahren hier das Feld anführen. Aber es bleibt abzuwarten, welche Plattformen aus der zweiten Reihe hervortreten und uns vielleicht einen völlig neuen und attraktiven Weg zu Übermittlung der Geburtstagsgrüße bieten werden.

Schön ist in jedem Fall der Geburtstagsgruß an sich. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, dass so viele liebe Menschen an mich gedacht haben und mir – egal auf welchem Weg – gute Wünsche gesandt haben.

Danke dafür!