Vorsicht vor schlüpfrig!

Würze für mehr Aufmerksamkeit

Wer sich digital bewegt, den ermüden trockene Inhalte teilweise sehr. Es begeistert wenig, diesen Stoff weiterzuleiten. Fachlich richtig zu sein, aber nicht wirklich zum Lesen zu verführen, ist dann eher hinderlich. Da liegt es für viele Autoren in der Nähe, dem eigenen Content eine etwas schlüpfrige Komponente mitzugeben, da hier leichtere Zustimmung und Viralität vermutet werden.

Im Alltag sind wir dieses ja ohnehin schon zur Genüge gewohnt, lächeln doch von den 100 Programmzeitungen am Kiosk mehr oder minder bekleidete und an den entscheidenden Stellen gephotoshopte Personen. Im TV laufen 1.000 und eine Dokusoap, wo immer die Hoffnung besteht, dass sich die Probanden auch körperlich näher kommen. Und auch in Social Media ist bei den viral gehenden Fotos und Filmchen der Anteil mit aufblitzenden Hautpartien ohne Zweifel enorm.

Ob es uns nun gefällt oder nicht, wir leben in einer sexualisierten Umwelt. Also warum nicht den eigenen Inhalt in eben diese Richtung ein klein wenig “tunen” – wenn es denn passt.

Etwas Feingefühl ist angebracht!

Etwas Feingefühl ist angebracht!

Doch der Drift in den Bereich der Andeutungen, Anmerkungen oder Anlehnungen an das Thema X ist nicht ohne Risiko. Um dieses einschätzen zu können, braucht es mehrere Fragestellungen, die zuerst geklärt werden sollten:

  • Möchte ich damit in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?
  • Passt die Kommunikation zur Marke für die ich spreche?
  • Wie eindeutig ist der Anteil Humor an der Geschichte?
  • Kann ich die Nähe zum Thema X mit meinen Inhalten überhaupt sinnvoll verbinden?
  • Wie allgemein kann ich bleiben – ohne dass sich jemand “auf den Schlips getreten” fühlt.

Hinweis:

In Zeiten von Social Media kann man davon ausgehen, dass sich fast immer jemand unangenehm berührt fühlt. Das muss man wohl in Kauf nehmen, sollte aber prüfen, ob es sich um echte Betroffenheit handelt oder eher um querulantisches Verhalten. Dieses Unterscheidung ist bei der heutigen Kommunikationskultur nicht immer leicht.

Im Fall echter Betroffenheit ist dann ohne Zweifel eine Entschuldigung erforderlich. Diese darf aber auch zum Ausdruck bringen, dass die persönliche Verletzung bedauert wird, jedoch in keiner Form beabsichtigt war. Sollte die Wahrnehmung ein Einzelfall bleiben, ist der Einsatz dann wohl trotzdem im weiteren Sinn als “ok” zu bezeichnen. Mehren sich die negativen Rückmeldungen sollte diese Bewertung sowie die Fortsetzung der Kommunikation überdacht werden.

Manchmal dann eben doch

Wer sich nun der Herausforderung stellen will, seine Themen nicht ohne diese besondere Würze abzuarbeiten, der sollte trotzdem immer noch einen zweiten Kontrollblick werfen, ob es wirklich nötig ist. Der Einsatz darf nicht aus dem primären Grund erfolgen, kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzielen.

Für mich trennt sich eine Einsatz in mehrere Felder auf:

  • Sprachlicher “Grenzgang” 
  • Symbolischer “Grenzgang”
  • Schlüpfriger Inhalt an sich

Je allgemeiner der Einsatz gehalten ist, desto besser.

Keinen Personenbezug

Dieses Thema sollte so sensibel wie es nur irgend geht behandelt werden. Die Verletzlichkeiten liegen hier nahe an der Oberfläche. Der direkte Personenbezug verbietet sich in jedweder Form. Das schließt dechiffrierbare Entfremdungen ausdrücklich ein. Thema X findet ohne Personenbezug statt >Punkt<.

Aber nicht nur zu Carneval oder Fasching dürfen Anlehnung umgesetzt werden – wie gesagt: so sie denn passen. Leichtfertig und unüberlegt sollte der Einsatz nicht erfolgen.

  • Aus meiner Sicht ist die erwünschte Reaktion das “Schmunzeln”, da es signalisiert, dass beim Leser nachgedacht wird.
  • Beim brüllenden Schenkelklopfen ist die Gefahr deutlich größer, dass sich Menschen verletzt fühlen. Und ggfs. überdecken die Tränen schallendem Gelächters bei den einen Menschen die echte Tränen der Verletzung bei anderen Personen.
  • Witze, Andeutungen und Geschichten, die hingegen zu einem verschämten Schmunzeln führen, würde ich mir eher sparen, da hier ja selbst die (gerade noch) lachenden Personen innerlich bei der Pointe ein wenig den Atem angehalten haben.
Vorsicht vor nassem Boden!

Vorsicht vor nassem Boden!

Wer diese Feinfühligkeit nicht mitbringt, der sollte die feuchten Stellen auf dem digitalen Fußboden ohne Zweifel weit umgehen, denn sonst ist eine Landung auf dem harten Boden der zwischenmenschlichen Verletzlichkeiten unausweichlich.

Wenn der Boden zu feucht ist, lieber nicht drüber laufen.