Weichenstellung für die Zukunft

Jeden Tag die Möglichkeit zur Entscheidung

Man mag die zunehmende Digitalisierung mögen der nicht. Aufzuhalten ist sie ohne Zweifel nicht. Die eine oder ander Lebenswelt, das eine oder andere Geschäftsmodell wird etwas später betroffen sein. Aber wenn es zuschlägt, dann können die Auswirkungen gravierend sein. Da können ganze Aufgaben und Tätigkeiten in den digitalen Raum entschwinden. Das klingt irgendwie unglaubwürdig, aber fragen sie mal:

  • die Telefon-Provider, wo ihr SMS Geschäft hin ist
  • die Radiowecker Produzenten, warum nicht mehr in jedem Schlafzimmer einer steht
  • die Kalender Hersteller, warum so wenige zum Jahresende geordert werden
  • die Videotheken/ den DVD-Verleih, warum die Kunden nicht mehr kommen

Und es würden einem sicherlich noch viele Beispiele einfallen. Es mag immer auch ne Weile dauern, doch machen den Wechsel auch die alten Player mit? … viele wohl eher nicht. Da stellt sich im Nachhinein sicherlich die Frage: Warum nicht?

War es eine bewußte Entscheidung für mehr Freizeit? Das mag ich nicht mal für die Geschäftsführer gelten lassen … welcher Lenker, der sein Unternehmen und sein Geschäft liebt, läßt es bewusst gegen die Wand fahren bzw. überlässt es Konkurrenten? Wer bei Verstand ist, solle man meinen, niemand ernsthaft!

Also können wir davon ausgehen, dass eine Entscheidung getroffen wurde. Doch gab es den Zeitpunkt X, wo die Frage hätte geklärt wurde bzw. hätte geklärt sein müssen? Hat der Entscheider also auf dem Lebensweg seines Unternehmen willendlich die Entscheidung getroffen, die Weiche nicht auf Digitalisierung umzulegen?

Für einen anderen Weg resp. Gleis muss die Weichenstellung rechtzeitig erfolgen.

Für einen anderen Weg resp. Gleis muss die Weichenstellung rechtzeitig erfolgen.

Nein! DIE Entscheidung hat es in der Vergangenheit nicht gegeben. Und es wird sie auch in Zukunft nicht geben! Der Zug ist nicht an einer Weiche vorbeigekommen, sondern an vielen, vielen jeden Monat, jede Woche, jeden Tag.

Wachsam bleiben!

Die Frage, warum nicht entschieden wurde, ist wahrscheinlich mit zwei Antworten zu klären:

Nicht sehen wollen

Das nicht sehen wollen, kann man sich zwar nicht wirklich vorstellen. Der geneigte Entscheider bzw. Geschäftsführer sollte ja ohne Zweifel sein relevantes Umfeld im Auge haben. Hier ist aber zu bedenken, dass die Digitalisierung völlig neue Möglichkeiten bietet, Lösungen zu Problemen bzw. für die Erfüllung von Bedürfnissen anzubieten. Und hier fehlt einigen Entscheidern die Fantasie, was alles möglich ist. Das kann aus Unwillen oder mangelndem Freiraum im Alltag resultieren. Es hilft aber nicht: Die Digitalisierung ist in aller Munde und da muss man sich schon einmal damit beschäftigen. Es ist einfach zur Kenntnis zu nehmen, dass z.B. bei den unzähligen App Programmierern ein gigantisches kreatives Potential gegeben ist, Dinge als Lösung für das Smartphone anzubieten, um es einmal mehr zum neuen Schweizer Messer des Alltags werden zu lassen. Aber auch für andere Endgeräte können Apps programmiert werden.

Das mag bei großen Marktanteilen und (noch) guter Ertragslage vielleicht – über eine Art “Allmachts-Fantasie” – ein scheinbares Sicherheitsgefühl geben, dass man ja immer noch handeln kann. Aber die Zyklen sind heute schneller als vor 10 oder 20 Jahren. Und spät ist heutzutage dann schnell zuspät.

Dieses muss auch von gestandenen Entscheidern einmal zur Kenntnis genommen werden. Es nicht zu tun, ist eine bewusste Entscheidung dieses nicht sehen zu wollen. …und diese wird Tag für Tag immer wieder getroffen.

Nicht entscheiden wollen

Auch bei der Situation des fehlenden Entscheidungswillens, kann es aus einem Sicherheitsgefühl geschehen, aber auch aus einer Unsicherheit, weil einem diese neue digitale Welt so fremd ist. Hier kann jedoch geholfen werden. Es gibt Menschen, die dieses Neuland schon länger erkunden und sich dort sehr sicher bewegen. Da kann man also Experten zu Rate ziehen. … wer nun keinen Rat von Dritten möchte – auch eine bewusste Entscheidung – der hat aber noch die Möglichkeit seine Kundengruppe  zu befragen. Wenigstens den eigenen Kunden bzw., was noch besser ist, den eigenen und möglichen Noch-Nicht Kunden sollte ein guter Entscheider doch zuhören wollen. Wichtig ist dabei, dass es auch die richtigen Fragen sind. Aber auch hier gibt es gute Institute, die solche Befragungen durchführen. Die Frage muss dann sein, reicht der eigene Handlungsspielraum noch, um bei Erkenntnis der Notwendigkeit der Digitalisierung umzusteuern.

Wahrscheinlich ist es aber auch hier eine bewusste Entscheidung “nicht entscheiden” zu wollen. …und diese wird vielleicht nicht Tag für Tag aber bei jeder Kenntnisnahme von Indikatoren, dass die Digitalisierung auch für das eigene Geschäftsfeld kommt, immer wieder getroffen.

Wachsam sein muss daher mehr heißen als “Augen auf”. Jeder sollte sich einen wachen Geist erhalten, der Dinge zur Kenntnis nimmt und den Mut aufbringt, neue Wege zu gehen. Dann dürfte es auch klappen mit der Weichenstellung für die Zukunft.

Versuchsballons und kleine Tests können im digitalen Zeitalter auch mit verhältnismäßig wenig Aufwand erzeugt werden. So kann getestet werden, ob die neuen Wege lohnen. Aber bitte solche Dinge auch ernst nehmen und nicht von vornherein so zusammenstutzen und restriktiv aufzustellen, dass der Einzige Beweis, den der Versuch erbringen kann, ist: SO geht es nicht. Die Mitbewerber sind da evtl. etwas mutiger.

Heute schon an einer Weiche vorbeigekommen?