Wo ist sie denn, Eure Community?

Community Management setzt eine solche voraus

Mit dem Boom von Social Media wird das Dialog-Management zentrales Kommunikationselement mit der Community - also der Gemeinschaft an Personen, die mit dem Unternehmen oder der öffentlichen Persönlichkeit interagieren wollen bzw. manchmal müssen. Also scheint dieser Zahl an Personen durchaus eine neue Bedeutung zu zu kommen. Und man liest immer wieder Sensationsmeldungen zu User-Zahlen:

  • “Die erste Milliarde an Nutzern angemeldet”
  • “Kürzeste Zeit 100 Million Nutzer zusammenzubekommen”
  • “Mit dieser Anzahl an Nutzern ist Plattform A genauso groß wie Plattform B”
  • uvm.

Sind diese Zahlen wirklich wichtig? Was sollten denn die Nutzer – Einzelpersonen wie auch Unternehmen – jetzt bei der Bewertung der Plattformen für sich mit aufnehmen? Hier sind weitere Fakten mit zu berücksichtigen, denn was hilft z. B. eine Community, die zwar angemeldet ist, jedoch nicht (mehr) aktiv ist. Und was hilft eine Plattform mit einer Community X, wenn mein Unternehmen (oder ich selbst) Interesse an Community Y habe? Nix!

Jedes Community-Management fände hier statt im Dialog eher im Monolog statt:

> Hallo? Ist da wer? <

Die genaue Betrachtung der Community ist sehr wichtig für die Bewertung der eigenen Social Media Aktivitäten bzw der Planungen dazu. Keine oder inaktive Communities sind wenig hilfreich. ...
Die genaue Betrachtung der Community ist sehr wichtig für die Bewertung der eigenen Social Media Aktivitäten bzw der Planungen dazu. Keine oder inaktive Communities sind wenig hilfreich. …

Was ist denn nun die beste Messgröße?

Die Frage ist gar nicht einfach zu beantworten und wenn doch, so fehlen häufig Daten, die eine solche Bewertung möglich machen. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, hier die aus meiner Sicht häufigst genannten Größen eine Community zu bewerten:

Absolute Größe der angelegten Profile

Diese Zahlen kann man ja fast als Brutto Nutzer einer Community bewerten. Die Zahl dient somit eher der PR-seitigen Schlagzeile, denn einer sachlichen Bewertung der Plattform. Beste Bespiele, dass die diese Zahl “Quatsch” ist, finden sich zahlreich bei Plattformen mit Nutzer-Schrumpfung wie bei MySpace und bei MeinVZ. Die wenigsten Menschen löschen ihr Profil. Die Angemeldeten kommen einfach nicht mehr, sondern verwandeln sich auf diese Weise von “Nutzern” in “Karteileichen”. Jedwedes Jonglieren mit diese Größe wird daher eher so eine Zombie-Diskussion …

Achtung:

Hier wird es auch sehr wichtig zu beobachten, wie streng die Plattformen gegen Fake- und Doppel-Profile vorgehen. Denn aus wie vielen Einzelpersonen diese Zahl besteht, lässt sich so nicht sagen und kann natürlich von Plattform zu Plattform schwanken.

Aktive User in einem Zeitraum X

Dieses kann aktuell wohl als der meist verwandte Wert für User-Zahlen bezeichnet werden. Die meisten Plattformen haben kein wirkliches Interesse auf Zahlen-Diskussionen, die so leicht auszuhebeln sind, wie mit der Fragen “Und, ist davon auch jemand aktiv?”

Meistens wird hier der Monat als Bezugsgröße gewählt. Und viele Plattformen haben in der Kommunikation auf “Mindestens 1x im Monat angemeldet” umgestellt. Das ist sehr zu begrüßen, da es einen minimalen Vergleich zwischen den ganzen Social Media Welten zulässt.

Aber Achtung:

Hier muss zum Zwecke der Vergleichbarkeit von Plattformen sowohl der Zeitraum, innerhalb derer ein User mindestens einmal aktiv resp. angemeldet war, betrachtet werden. Man findet in manchen Tabellen Tage, Wochen und Monate … oder “überhaupt mal”. Hier sollten Grafiken und Tabellen immer sehr genau nach dem Kleingedruckten durchforstet werden, damit man weiß, wovon man spricht!

Und ganz selten finden sich sogar Mindest-Aktivitäten, die der User in dieser Zeit durchführen muss. Wenn diese Funktion auf anderen Plattformen nicht angeboten wird, verwässert das auch wieder die Vergleichbarkeit.

Aktive/angemeldete Unser in meinem Land, Region 

Viele dieser Zahlen beziehen sich auf “weltweit” – natürlich bei amerikanischen Plattformen. Aber teilweise ist die Nutzung sehr unterschiedlich nach Land und Region. Auch wenn Facebook mittlerweile bis auf Russland und China in fast jedem anderen Land führende Plattform ist, so unterscheidet sich die “Nutzung” der Plattform dann wieder, weil bestimmte Sachen kulturell akzeptierter sind als andere. Bei kleineren Plattformen trifft dann wieder die Frage: “Wo sind die meisten Nutzer?” Wer nicht Global unterwegs ist, sollte hier schon sehr genau schauen, ob die Plattform XY passt.

Durchschnittliche Nutzungsdauer von Usern auf 

Dieses ist für mich mit die Größe mit der stärksten Aussage. Eine soziale Plattform wo “Leben” stattfindet, sollte schon eine Weile des täglichen Lebens für sich in Anspruch nehmen … oder besser formuliert: Die Nutzung der Plattform sollte schon gewissen einen Anteil der aktiven “Wachzeit” beinhalten, wenn sie denn aktive Nutzung durch die Nutzer für sich in Anspruch nehmen möchte.

Aber zu beachten ist, dass sich die Nutzung schon je nach “Inhalt” der Plattform automatisch unterscheidet. So haben Business Plattformen tendenziell eine geringere Nutzung, das sich weder Visitenkarte noch Lebenslauf im Tagesrhythmus ändern. Allerdings mühen sich bspw. LinkedIn und Xing sehr über einen Newsfeed mit allerlei unterschiedlicher Nachrichten sich so attraktiv zu machen, dass ihre User häufiger zurückkehren. Insgesamt fallen die Plattformen aber schon gegenüber Facebook in dieser Kategorie zurück.

Anzahl einer Klasse von Nutzern (Berufsgruppe, Geschlecht, Alter…)

Dieses sind meist Teilauswertungen von bestimmten Plattformen. Die Zahlen sind teilweise leicht (Mann:Frau) oder sehr schwer vergleichbar (Finanzen:Bank&Versicherung o.a.). Das Alter kann auch spannend sein in der Auswertung … gerade wenn man bestimmte Zielgruppen über andere Medien nur noch teilweise oder gar nicht erreichen kann.

Somit können diese Zahlen sehr sinnvoll sein, um zu bewerten, ob die eigenen Zielgruppe auf der Plattform anzutreffen ist oder eher nicht.

Anteil der Internet- oder Social Media Nutzer, welche die Plattform X nutzen

Auch wenn diese Größe immer wieder zu finden ist, finde ich sie persönlich unsäglich, weil sie eine weitere Nebelbombe wirft:

  • Denn wer kann die Bezugsgröße alle Onliner bzw alle Social-Media-Nutzer richtig einordnen?
  • Wie viele sind Onliner denn online und woran mache ich das fest?
  • Das gleiche gilt für Social Media: Welche Nutzer von welchen Plattformen?

… damit haben wir im Ergebnis zwei Unschärfen in einer. Mein Gefühl ist, dass die einzige Begründung dazu ist, dass Oma Schulze ohne PC nun partou kein Internet haben möchte und daher aus der Grundgesamtheit rausgenommen wird. Damit bekommt man dann hohe Prozentsätze z.B. bei Facebook und Co., aber eigentlich ist die Zahl “Quatsch!”

Fazit

Bei Zahlen, Tabellen und Charts immer mal auf das Kleingedruckte achten. Dieses ist ganz wichtig, um in Hinblick auf die Eckdaten eine schnelle Einwertung deren Nutzbarkeit zu ermöglichen.  Aber nicht gleich beiseite schieben, denn schon aus Kernzahlen lassen sich teilweise wertvolle Hinweise ableiten.